Das andere Iran

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Molavi Balkhi (Rumi) und die Wiedererscheinung von Simorghs Tochter Ram

Posted on | January 10, 2013 | No Comments

Molavi Balkhi
Molavi Balkhi (Rumi) und die Wiedererscheinung von Simorghs Tochter Ram, der Göttin der Musik, des Tanzes, der Dichtung und der durch die Suche und eigenen Erprobung erlangten Erkenntnis
Manuchehr Jamali in Zusammenarbeit mit Gita Yegane Arani-May

Ich bin Tarab – ich bin Tarab
und die Venus ‚spielt meinen Klang’
– Molavi (Rumi)

Das persische Wort „Tarab“ bedeutet die höchste Art der Freude, die einen Menschen leicht und schwungvoll macht. Molavi erlebt sich als solch eine Freude, die sich im gesamten Werk seiner Lyrik im Tanze, Jubel und Taumel befindet. Jede schwerwiegende Idee und jeder enge Begriff wird in seiner Dichtung in Schwingungen versetzt. Die Venus, die einst Luzifer war, die mit Satan gleichgesetzt und als Staaten-zerstörende gefürchtet wurde, ist die Göttin, die in Molavis Lyrik häufig vorkommt, was in der persischen Dichtung einmalig ist. Molavi betrachtet die Venus als seinen geistigen Stern.

O Venus, O Mond (= Simorgh). Aus Euren flammenden Gesichtern
macht ihr meine beiden Augen zu zwei Flammen.
O Du, Tarab, Schöpfer meines Herzens,
Du beschäftigst meinen Geist vollständig.

Solch eine Persönlichkeit – Molavi – schreibt in seinem Mathnawi über die Geheimnisse der Liebe, aber er spricht sich dort aus in anderen Personen, anhand der Geschichten anderer und aus derer gelebter Perspektiven. Im Mathnawi bleibt Molavi zurückhaltend und kommt dem gläubigen Moslem entgegen. Er findet aber immer Gelegenheiten die Grenzen zu überschreiten und geht mit Leichtigkeit wieder in die gemäßigte Haltung zurück. In seiner Lyrik verliert er die Zurückhaltung und bricht aus sich heraus, vulkangleich, indem er direkt spricht, alles direkt sagt. Sein tiefstes Innerstes befindet sich in seiner Dichtung im Jubel und Tanz. Ein aus dem Dunklen quellender Kanal oder die Wasser der Kariz – das ist das Kanal- und Brunnensystem, mit dem man schon Jahrhunderte lang tradi-tionell im Iran die Bewässerung betreibt, und mit dem Molavi oft die Menschen vergleicht – brechen in seiner Lyrik hervor wie ein Ozean der Wahrheit.

Die Wogen – der Ozean der Wahrheiten, die den Berg Ghaf umschlingen
springen aus uns, weil wir die Kariz sind

In der frühen iranischen Kultur glaubte man, dass an dem Ort, an dem der Baum des Lebens im Ozean wächst, und auf dem Simorgh als Ähre des Baumes nistet, unzählige tiefe Kanäle (Karizan) liegen, die zu allen Bäumen auf der Welt führen. Das heißt, dass alle Menschen – die Samen Simorghs sind – direkt vom Gott (Simorgh) mit Wasser versorgt werden. Die Erkenntnis jedes Menschen gleicht einem Jugh (Gebundenheitsform) als einer Vereinigung von Gott, der das Wasser ist, mit dem Samen, der der Mensch ist. Dieses mythische Bild umfasst auch die Ursprünglichkeit jedes Menschen: Der Mensch als ein Same der Ähre Gottes, wird unmittelbar vom Ozean Gottes bewässert. Für Molavi ist das Leben deshalb in dieser Welt schon die andauernde Umarmung des Menschen mit Gott. » Diesen Artikel als PDF weiterlesen

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